Bodenfunde in Enzen

Die wichtigsten Daten, chronologisch geordnet:

1663: Spätrömische Steinsarkophage auf dem Friedhof in Enzen

Angebliches Fundjahr des ersten Steinsarges, welcher heute auf dem Friedhof steht. Andreas Steinhausen von Enzen, berichtet 1818, dass in diesem Ort ein merkwürdiger Fund gemacht worden sei: Heidnische Särge mit ewigen Lampen; vor 100 Jahren wurde der Sarg gefunden, worauf stand: Mutio Scaevola uxor et conjunx (Dem Mutius Scaevola, die Gattin und Geliebte). Der metallene Inhalt ist nach München gekommen.

 

E. Freudenberg berichtet 1857:
"Bald nach dem Abschluß des Westfälischen Friedens siedelte ein gewisser Johann Peter Gilles von der Ahr in diese Gegend über und pachtete, anfangs auf mehrere Jahre, den damals sogenannten Bungerthof, welchen er später durch Kauf erwarb.
Er hatte drei Töchter und da er zu Wohlstand gelangte, erbaute er sich ein neues Haus, über dessen Türe der Name des Erbauers nebst der kaum noch lesbaren Jahreszahl 1666 in Holz eingehauen ist, woraus sich die Zeit des Fundes annähernd mit Sicherheit bestimmen läßt. Die Tradition der Familie Wallpott nimmt das Jahr 1663 an.

Gilles überliess das Haus seinem Schwiegersohn, namens Wallpott, dem Gatten seiner jüngsten Tochter. Als bei diesem Neubau das Fundament zu einem Stall gelegt wurde, stiess der damit beschäftigte Knecht auf einen großen Steinsarg. Der Bauherr, welcher wohl einen verborgenen Schatz darin vermutete, machte sich im Stillen mit einigen ins Vertrauen gezogenen Arbeitern selbst an die Hebung desselben.
Der Sarg, welcher noch heute in dem Nebengebaeude des Hauses, nicht fern von der Fundstätte einige Fuss in die Erde eingegraben, sich befindet, und zum Mischtrog für Viehfutter benutzt wird, ist 8 Fuss lang und mißt 3 1/2 Fuss in der Breite und Tiefe. Dass dieser Sarg wirklich von dem Funde herstamme, dafür zeugt nicht nur die ununterbrochene mündliche Überlieferung in dem Stammhause und in der Familie, sondern auch die kolossale Form, die bei einem Viehtroge wohl keine Anwendung finden dürfte.

 

Nach Aufhebung des aus einer einzigen Sandsteinplatte bestehenden Deckels von 1 Fuß Dicke fand sich ein Gerippe, welches beim Öffnen in Staub zerfiel {mosimage}
  • in goldener Rüstung
  • mit einer goldenen, mit 3 Edelsteinen besetzten Krone auf dem Haupte
  • mit goldenem Zepter
  • mit einem 28 Pfd. schweren goldenen Panzer
  • und goldenen Beinschienen
Ausserdem enthielt der Sarg:
  • einen goldenen Schwertgriff
  • ein von Gold geflochtenes Wehrgehänge und angeblich
  • 28 goldene Kettenringe
  • sowie endlich einige Münzen...

Beschreibung der zwei noch erhaltenen Reliquien (sie sind heute im Besitz des Herrn Krewel zu Burg Zievel):


ArmreifDas goldene Band ist aus feinem Golddraht, sehr künstlich geflochten und wird durch ein goldenes, mit Goldstiften angeheftetes Plättchen, an dessen beiden Enden zwei Goldkettchen durch Ringe befestigt sind, in zwei ungleiche Hälften geteilt. An den beiden Enden des Bandes ist die nicht selten vorkommende lateinische Inschrift Utere Felix, welche aus festgegossenen Goldperlchen besteht, zu lesen; außerdem hängt an dem einen, wahrscheinlich oberen Ende, eine einfache Kette, die ursprünglich länger gewesen sein mag. An dem anderen befinden sich zwei kürzere, mit einem Edelstein verzierte Anhängsel und ein drittes, längeres Kettchen, mit zwei roten Steinen. Doch ist der Stein an dem mittleren Parallelogramm vor kurzem ausgefallen.
Es wiegt nahe 2 2/3 Loth und besteht aus 23 karätigem Golde. Der Armring oder Goldreif von 3 1/2 Loth Gewicht ist aus drei starken Golddräthen kunstreich gewunden und zwar, nach der Erklärung eines kundigen Goldschmieds, matt cordeliert. Solcher kostbaren Ringe sollen sich 28 zu einer Kette verbunden, bei der Rüstung befunden haben..."
(E. Freudenberg in Bonner Jahrbuch, 1857, Nr. 25)

1811:

Fund des zweiten Steinsarges (Kindergrab): "Ungefähr 20-30 Fuß von jener Stelle entfernt, wo das reiche Grab von1663 aufgedeckt wurde, stiess man an der Seite der Dorfstrasse im Herbste des Jahres 1811 ebenfalls auf einensteinernen Sarg, der aber nur 4 Fuß lang war und augenscheinlich die Überreste eines Kindes aufgenommen hatte.Der Sarg war im Innern ganz glatt behauen und hatte 4 Nischen, zwei am Kopf- und zwei am Fussende, die meist mitSpielsachen angefüllt waren; Kugeln und ein Fisch von Glas, der inwendig hohl war. Ferner stand in einer Nischeeine siebendochtige Ampel aus Erz, in einer anderen ein fein verziertes, gelbes Schüsselchen mit einigen Kupfermünzen."Nach P. Winter in "Gissinger, Geschichte der Stadt Euskirchen und Umgebung", 1902, war das Fundjahr 1813.

1833:

Anton Wallpott findet an der Nordseite des Dorfes ein großes Grabgewölbe, das riesige Menschengebeine enthielt.

1848:

An der südwestlichen Kirchhofsmauer wird ein 4x3 m großer Raum entdeckt, der in einem 1.70 m hohen und 5 m langen Gang im Friedhof endet. Da römische Ziegel gefunden wurden, handelt es sich vielleicht um die Reste eines römischen Kastells?

1850:

In der "Mott" werden Reste von 7 Skeletten ohne Köpfe gefunden, diese fand man etwas entfernt in der Gartenparzelle Linden.

1855:

J. Althausen findet einen aufrechtstehenden, zylinderförmigen, gehölten, weißen vulkanischen Stein, der mit seinen Außenseiten ein regelmäßiges oben und unten gleiches Achteck bildet. Zwei Platten von derselben Steinart, einen Zoll dick, wovon eine als Sockel, die andere als Deckel dient, schließen den Zylinder. Die Platten entsprechen den Dimensionen des Achtecks. Auf dem Rande des Deckels stehen die Buchstaben N.A. eingraviert.
Dieser Stein ist offenbar ein römischer Aschenkrug. Er enthielt nebst Asche und Moder einige Schädelreste. Die Höhe des Aschenkruges ist 1 Fuß 2 Zoll, der Durchmesser 1 Fuß 7 Zoll.

1860:

Steinplatte von 1860J. Althausen findet ein Gräberfeld an der Nordseite des Dorfes. Eine Steinplatte trägt die römische Inschrift: "Divis Manibus. Grata civitas Ausonio Pecio. Decessit aetatis anno LV." (Den glücklichen Manen. Die dankbare Gemeinde dem Ausonier Pecius. Er starb im Alter von 55 Jahren.)

1874:

Auf dem Schievelsberg wird ein fränkisches Grab gefunden. Ein als Einfassung dienender Matronenstein trägt die Inschrift Matronis Hiheraiis M.Antonius Hilario

1898:

Auf dem Friedhof wird ein römischer Gang von 1.75m Tiefe und 0.50m Breite entdeckt. Dieser ist mit Steinplatten zugedeckt, regelmäßig gemauert und führt zu dem 1848 gefundenen ummauerten Raum.
Vielleicht Rest eines römischen Wachturmes, dessen Besatzung durch den verdeckten Gang ins Freie konnte.

1902:

Fund von 2 ausgemauerten Frankengräbern auf dem Schievelsberg. In einem Grab war ein Schwert, eine Schnalle und mehrere Knochen. Das andere Grab barg nur Knochen.

1903:

Entdeckung von 18lfd. Metern Fundamentmauern an der Tissenicher Straße.

1909:

Fund einer 19 cm hohen fränkischen Urne.

1910:

Wird auf der alten Römerstraße Richtung Kommern ein irdenes Medaillon gefunden mit der Jahreszahl 1584.

1910:

Fund von 3 ausgemauerten Frankengräbern auf dem Schievelsberg mit einem Schwert

1910:

Fund einer 7.5cm hohen röm. Urne auf dem Schievelsberg.

1915:

Fund eines Frankengrabes auf dem Schievelsberg.

Frankenschwert von 1919
Skizze des Schwertes, das im Grab gefunden wurde.
1951:

Bei Ausschachtungsarbeiten in der Tissenicher Straße stieß man auf ein fränkisches Gräberfeld. In einem Männergrab wurden 2 Schwerter und in einem Frauengrab eine Vase gefunden. Die Skelette waren gut erhalten und der Grabplatz durch behauene Steine abgegrenzt.

1953:

Fund eines Frankengrabes ohne Beigaben.

1977:

Bergung 1977Bei Kanalarbeiten wurde der 3. römische Sarkophag aus rotem weißgerändertem Sandstein (mit Beikammer) gefunden. Er ist 2.5m lang, 1m hoch und 0.9m breit.

Die Seiten sind teils mit Fischgrätenmuster verziert. Der 0.43m hohe Deckel aus hell rosafarbenem, weichem Sandstein hat die Form zweier sich durchkreuzender Giebel.

Die Ausstattung des Grabes war sehr reich: Toilettengeräte, Schmuck aus Gold, Silber und Gagat sowie Haarnadeln aus Bein erweisen, dass es sich um die Bestattung einer Frau oder eines jungen Mädchens handelt. Vielleicht hieß sie Nonnula: Dieser Name ist in einen kleinen Löffel geprägt, den die Tote bei sich hatte. Mehrere Glasgefäße, die teils ganz, teils fragmentisch erhalten sind und sowohl im Sarg als auch im Anbau gefunden wurden, können zur Datierung herangezogen werden. Besonders selten sind zwei Skyphoi, zweihenklige Becher, deren Herstellungstechnik bemerkenswert ist.

Sie gehören zu der kleine Gruppe von Gläsern, die aus einer gegossenen Rohform herausgeschnitten oder herausgeschliffen wurde. Die meisten Formen stammen aus dem 3. Jahrhundert und der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts.

Die Bestattung läßt sich auf ca.360 n.Chr. festlegen. Die Anzahl der Fundstücke und deren materielle Beschaffenheit ist sehr außergewöhnlich!

 

Funddokumentation:

  • 3 verschiedene Fingerringe aus Gold
  • 6 zylindrische Perlen aus Gold
  • 3 verschiedene beinerne Griffe mit Goldblechmanschetten
  • 1 silberner Fingerring
  • 1 Silberlöffel mit Inschrift
  • Fragmente einer Silberschüssel in Muschelform mit Perlenrand
  • 1 Waagebalken mit 2 Waagschalen aus Bronze
  • 15 verschieden Kästchenteile aus Bronze
  • 1 glockenförmiger Deckelknauf und ein Kerzenleuchter mit Sporn aus Bronze
  • 1 gezackter Armreif aus Gagat
  • 6 breitovale Perlen aus Gagat
  • 15 verschiedene Glasflaschen
  • 28 verschiedenfarbige Glasspielsteine
  • 2 Einhenkelkannen aus Keramik
  • 1 glattwandiger weißer Topf mit roter Bemalung
  • 5 verschiedene Glasfragmente
  • 5 verschiedene Fragmente aus Gagat
  • 15 verschiedene Nadeln aus Bein
  • 8 Kästchenteile aus Bein
  • 4 Stäbchen mit quadratischem Querschnitt aus Bein

Der Presserummel und der Auflauf von Schaulustigen bei der Notbergung des Sarkophages und der Beikammer war überwältigend.

1980:

Fund einer römischen Trümmerstelle nördlich der Straße Enzen-Schwerfen.

1980:

Fund eines Oberteils eines röm. Matronensteins in der Gemarkung Fuchskaul. Die erhaltenen Maße betragen 24x28x18 cm. Der Stein ist mit Baumdarstellungen auf den Schmalseiten verziert. Auf der dreizeiligen Schriftplatte steht die Inschrift: Matronis Marcus Chamari filius et Allo.

1982:

Mehrere Funde im Garten des ehemaligen Hauses Linden.
1 römische Aeskulapschlange 150-200 n.Chr.
1 Bronzeschnalle 200 n.Chr.
Große Fragmente einer röm. Urne.

1994:

Mehrere Funde unter der Apsis:

  • 62 verschieden farbige fränkische Perlen (450-850 n.Chr.)
  • Knochenfragmente einer Kamm-Platte und eines Kastenbeschlags
  • 3 Hohlringheller noch undatiert
  • 162 verschieden Scherben von unterschiedlichen Töpfen und Krügen aus dem 10.-14. Jahrhundert
  • 4 preußische Münzen 1821, 1822, undatiert.
  • 1 versilberter Knopf
  • mehrere Bronzefragmente
  • Denar 1194-1205 (Erzb. Adolf I)
  • Denar 13.-14. Jahrhundert (Philipp IV oder VI)
  • viertel Stüber 1786 Jülich Kurfürst Karl Theodor
  • retuschierter Sielex-Schaber (Steinwerkzeug) 2500-1800 v.Chr.
1997:

großflächig angelegte römische Fundamentmauern (Siedlung)
1 röm. Münze Kaiser Gratian 359-386

2010: Rückkehr des 1977 gefundenen Steinsarkophages nach Enzen